09. Februar 2016

Klare Position für LNG am Standort Wilhelmshaven

150 Experten aus Politik und Wirtschaft diskutieren auf Einladung des Kompetenzzentrums GreenShipping Niedersachsen und der LNG Initiative Nordwest Potenziale der Versorgung mit Flüssiggas (Liquefied Natural Gas) in Wilhelmshaven

Die Reeder Alfred Hartmann und Gerd Wessels zählen zu den „First Movern“ was den Transport und die Nutzung von LNG als Kraftstoff betrifft. Auch die Fassmer Werft geht mit der Auslieferung der ersten LNG-Neubaufähre unter deutscher Flagge wegweisende Schritte. Alle Akteure bemängeln jedoch neben der mangelnden Versorgungsinfrastruktur fehlende rechtliche und technische Standards. Zudem müsse bei einem Neubau mit LNG-Antrieb mit einem 25% höheren Investitionsvolumen gerechnet werden. Jan Tellkamp, DNV GL, weist in diesem Zusammenhang auf die Problematik hin, dass die Mehrkosten bei den Eignern hängen bleiben und zumeist nur die Charterer als Brennstoffkostenträger einen Vorteil aus dem Antriebssystem ziehen könnten. Eine Emissionsverminderung müsste aus seiner Sicht dem Investor, also dem Reeder zugutekommen und Förderprogramme sollten entsprechend darauf ausgerichtet werden.

Das Thema LNG ist in Wilhelmshaven kein neues: Bereits seit den 1970´er Jahren gibt es Überlegungen der Deutschen Flüssigerdgas Terminal Gesellschaft (DFTG) ein Import-Terminal für LNG zu errichten. Eine Realisierung ist jedoch aufgrund der Marktsituation und betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen bisher nicht erfolgt. Dass sich ein milliardenschweres Import-Terminal – auch angesichts nicht ausgelasteter Terminals in den Nachbarländern –  mittelfristig betriebswirtschaftlich rechnen kann, stellen viele der aus ganz Deutschland angereisten Gäste der Veranstaltung in Frage. Einigkeit herrscht jedoch darüber, dass die Schifffahrt in Deutschland LNG-Bunkerinfrastruktur benötigt und das Betanken von Schiffen per LKW nur eine zeitlich begrenzte Option darstellen kann. Zumindest Bunkerschiffe/bargen müssen in Fahrt gestellt werden, um den zunehmenden Bedarf an LNG-Treibstoff von Schiffen zu bedienen. Insbesondere den Wilhelmshavener Akteuren ist diese Lösung nicht genug: Sie plädieren für die nationale Unterstützung einer „großen Lösung“, auch um Deutschland unabhängiger von der zunehmenden Dominanz Russlands als Gaslieferant zu machen und damit die Krisenfestigkeit der Energieversorgung in Deutschland zu erhöhen. Hier sollte entsprechend der Bundes-Mineralölreserve eine Gasreserve unter Nutzung der nahegelegenen Kavernen eingerichtet werden. Mit großem Interesse wurde ein Konzept der Nord-West Oelleitung (NWO) aufgenommen, welches vom Geschäftsführer Dr. Jörg Niegsch präsentiert wurde. Spezifikum dieses Vorhabens ist die Regasifizierung von LNG auf dem anliefernden Gastanker, wodurch Investitionen in landseitige Infrastrukturen deutlich reduziert werden können. Die Zwischenspeicherung könnte in den Kavernen in Friedeburg erfolgen und eine direkte Einspeisung in das deutsche Ferngasnetz wäre möglich. Zusätzlich könnte die Versorgung maritimer Abnehmer und landseitiger Verbraucher wie Spediteure, Bahn-Operateure und Industrieunternehmen vorgenommen werden.


Auf Basis der Erkenntnisse der Veranstaltung wird die LNG Initiative Nordwest (Koordination: MARIKO GmbH)  zusammen mit der JadeWeserPort Realisierungs GmbH & Co. KG, Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG, der Stadt Wilhelmshaven und der Wilhelmshavener Hafenwirtschafts-Vereinigung e.V. einen Handlungsleitfaden zur Konkretisierung der nächsten Schritte zur LNG-Versorgung vorbereiten.

Foto: Photohouse Schworm

v.l.: Dr.Jörg Niegsch, Hans-Joachim Uhlendorf, Harald Fassmer, Werner Repenning, Jan Tellkamp, Olaf Lies, Gerd Wessels, Alfred Hartmann, Katja Baumann, Marcus Reher, Matthias Groote, John H. Niemann

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